MAIN KLAVIERTRIO 

Das Main Klaviertrio verdankt sich keiner bloßen Neugründung, sondern einem Übergang – jener seltenen Form künstlerischer Kontinuität, in der das Gewachsene nicht abgelegt, sondern verwandelt wird. Im Namen bündelt sich diese Dialektik von Herkunft und Gegenwart: Würzburg, vom Lauf des Mains geprägt, bleibt topografischer Anker und geistiger Resonanzraum. Zugleich öffnet das englische „main“ eine zweite Bedeutungsebene – das Wesentliche, der Kern, das, was trägt, wenn alles Äußerliche zurücktritt.
So versteht sich dieses Trio als Suche nach Verdichtung: nach einer Musik, die nicht im Vielerlei aufgeht, sondern im Konzentrierten gewinnt. Kammermusik erscheint hier als Denkform des Hörens – als Gespräch, das sich im Augenblick ereignet und doch aus langer Erfahrung gespeist ist. Zwischen Fluss und Form, Erinnerung und Gegenwart entfaltet sich ein Klangraum, in dem das Vergangene fortwirkt, ohne das Neue zu begrenzen. Das Main Klaviertrio ist damit weniger ein Anfang als eine Setzung: ein Innehalten im Kontinuum, aus dem heraus sich Musik immer wieder neu begründet.

© Katharina Gebauer

Wurzeln

Seit über 25 Jahren verbindet die Pianistin Karla-Maria Cording und den Cellisten Peer-Christoph Pulc eine außergewöhnlich intensive künstlerische Zusammenarbeit. Ihre gemeinsame musikalische Sprache entwickelte sich aus der Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Hannover in der Kammermusikklasse von Hatto Beyerle (Alban Berg Quartett) sowie aus prägenden Begegnungen mit Menahem Pressler und Siegfried Palm. Parallel dazu verfolgten beide eine profilierte solistische Ausbildung: Cording bei Karl-Heinz Kämmerling und Margarita Höhenrieder, Pulc bei Michael Flaksman und Siegfried Palm.

Als Mitbegründer des ehemaligen Klaviertrios Würzburg prägten sie über viele Jahre hinweg das Konzertleben weit über die Region hinaus. Gastspiele führten sie in bedeutende Musikzentren Europas – darunter München, Berlin, Hamburg, Wien und Paris – sowie an renommierte Spielstätten wie den Gasteig München, die Dresdner Frauenkirche oder die Museumsinsel Berlin. Festivalauftritte, Rundfunkproduktionen und ein Repertoire von über 80 Klaviertrios zeugen von der künstlerischen Bandbreite und der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit dem Genre.

Ihre langjährige Partnerschaft ist geprägt von interpretatorischer Tiefe, stilistischer Klarheit und einer selten gewordenen musikalischen Vertrautheit. In Zusammenarbeit mit dem renommierten Musikwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Konrad gestaltete das Ensemble über fünfzehn Jahre hinweg einen thematisch konzipierten Neujahrs-Zyklus in der Würzburger Residenz, der wechselnde kammermusikalische Schwerpunkte mit musikwissenschaftlicher Reflexion verband. Diese Konzertreihe vereinte analytische Durchdringung und lebendige Aufführungspraxis auf besondere Weise und führte zugleich zu einer kontinuierlichen Erweiterung des Repertoires. 

© Katharina Gebauer

Entwicklung 

Mit der Geigerin Emi Otogao gewinnt das Ensemble nun eine Musikerin, die internationale Erfahrung und neue klangliche Perspektiven einbringt. In Yokohama geboren und in Tokio, Berlin und Birmingham ausgebildet, verbindet sie europäische und japanische Musikkultur auf selbstverständliche Weise. Ihre kammermusikalische Prägung erhielt sie unter anderem bei Eberhard Feltz sowie durch die Arbeit in internationalen Festivals und Ensembles wie dem Klee Quartett. Konzerttätigkeiten in Europa und Japan, Rundfunkaufnahmen sowie Wettbewerbserfolge unterstreichen ihre künstlerische Vielseitigkeit. Als Geigerin und Bratschistin erweitert sie das klangliche Spektrum des Trios zusätzlich. In der neuen Formation entfaltet sich eine besondere künstlerische Spannung: gewachsene Tiefe und neue Impulse treten in einen lebendigen Dialog.

Das Main Klaviertrio steht für eine Kammermusik, die aus dem gemeinsamen Atem entsteht – differenziert im Zusammenspiel, reich an Klangfarben und getragen von dem Anspruch, jedes Werk in seiner individuellen Sprache ernst zu nehmen und neu zu durchdringen. So verbindet das Ensemble Herkunft und Aufbruch, Tradition und Gegenwart – mit Würzburg am Main als festem Anker und einem künstlerischen Horizont, der weit darüber hinausweist. 

© Katharina Gebauer